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	<description>Henning Wittwer - Karateka und Autor</description>
	<pubDate>Wed, 15 Feb 2012 15:53:04 +0000</pubDate>
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		<title>Eine Kampfkunstvorführung im Ryūkyū des Jahres 1867</title>
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		<pubDate>Mon, 17 Oct 2011 07:47:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>henning</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Allgemeines]]></category>

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		<description><![CDATA[In einer historischen Quelle namens „Tāfākū&#8220;, die mit dem Dorf Kume in Bezug gebracht wird, findet sich ein Programm von Vorführungen, welches am 24. Tag des 3. Monats des Jahres Keiō 3 (1867), dem Folgejahr der offiziell durch China bestätigten Krönung des letzten Königs von Ryūkyū, Shō Tai 尚泰 (1843-1901), veranstaltet wurde. Veranstaltungsort war das Herrschaftliche [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In einer historischen Quelle namens „<em>Tāfākū</em>&#8220;, die mit dem Dorf Kume in Bezug gebracht wird, findet sich ein Programm von Vorführungen, welches am 24. Tag des 3. Monats des Jahres Keiō 3 (1867), dem Folgejahr der offiziell durch China bestätigten Krönung des letzten Königs von Ryūkyū, Shō Tai 尚泰 (1843-1901), veranstaltet wurde.<span id="more-235"></span> Veranstaltungsort war das Herrschaftliche Teehaus (<em>Uchayā-Udun</em> 御茶屋御殿) in Sakiyama. Der Titel des Programms lautete „Programm zu den Drei-Sechs-Neun und zu allen Künsten&#8221;. „Drei-Sechs-Neun&#8221; (<em>San-Liu-Chiu</em> 三六九) bezieht sich dabei auf alle Tage des Monats, in denen diese Zahlen vorkommen, wie der 3. Tag, der 6. Tag, der 9. Tag, der 13. Tag usw. An diesen Tagen fand in Kume Unterricht in verschiedenen Fächern statt, die teilweise während des Programms dargeboten wurden. Insgesamt umfaßte dieses Festprogramm fast fünfzig Aufführungen, von denen zehn kampfkünstlerischer Natur waren. Eben diese zehn schriftlich festgehaltenen Kampkunstdarbietungen gewähren uns einen kleinen, aber lohnenden Blick auf Inhalte und Vertreter der Kampfkunst Ryūkyūs vom Ende der Edo-Zeit (1603-1868).</p>
<p>In den 1956 herausgebrachten gesammelten Werken des okinawanischen Gelehrten Shimabukuro Zenpatsu 島袋全発 (1888-1953) wurde diese Programmschrift zum erstenmal einer breiteren japanischsprachigen Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Einer abendländischen Leserschaft stellte Patrick McCarthy im Jahre 1990 die zehn Kampfkunstdarbietungen dieses Programms auf Englisch vor.</p>
<p>Unten folgt meine neue Übersetzung der einzelnen kampfkünstlerischen Vorführungen, welcher ich jeweils in eckiger Klammer die entsprechenden <em>Kanji</em> sowie eine chinesische, japanische oder okinawanische Lesung hinzufüge. Wie genau die entsprechenden Begriffe damals ausgesprochen wurden, läßt sich anhand der Quelle - abgesehen von einem Begriff - nicht feststellen. Dann führe ich den oder die Namen des oder der Vorführenden an. Zu jedem dieser Programmpunkte schrieb ich schließlich eine kurze, erklärende Anmerkung.</p>
<h3>Programm zu den Drei-Sechs-Neun und zu allen Künsten [Auszug]</h3>
<p><strong>• Rohrschild </strong>[藤牌, chin.: <em>Têng-P'ai</em>]<strong> - Maezato <em>Chiku Peichin</em></strong></p>
<blockquote><p><strong><em>Anmerkung:</em></strong> Ein <em>Têng-P&#8217;ai</em> ist ein aus Bambusrohr angefertigtes, meist rundes Schild. Es ist eine in der chinesischen Volkskampfkunst verwendete Abwehrwaffe, die aber auch in der militärischen Kampfkunst genutzt wurde. Ergänzend zum <em>Têng-P&#8217;ai </em>kamen u.a. Säbel oder Wurfspieß zum Einsatz. In der Mundart Ryūkyūs verzerrte sich der chinesische Ausdruck „<em>Têng-P&#8217;ai</em>&#8221; und wird heute „<em>Tinbei</em>&#8221; ausgesprochen. Wahrscheinlich handelte es sich bei dieser Vorführung um eine Soloform, wobei nicht klar ist, welche Angriffswaffe neben dem Rohrschild zum Einsatz kam bzw. ob überhaupt eine Angriffswaffe benutzt wurde.</p>
</blockquote>
<p><strong>• Eisernes Fuß </strong>[鉄尺, chin.: <em>T'ieh-Ch'ih</em>]<strong> zusammen mit Stock </strong>[棒, chin.: <em>Pang</em>, jap.: <em>Bō</em>]<strong> - Maezato <em>Chiku Peichin</em> / Aragaki </strong><em><strong>Tūji</strong></em></p>
<blockquote><p><strong><em>Anmerkung:</em></strong> Zum ‚Eisernen Fuß‘ s. unten.  Erwähnenswert ist, daß für den Stock das Schriftzeichen 棒 verwendet wurde. Die Formulierung „zusammen mit&#8221; läßt darauf schließen, daß es sich um eine Zweikampfdarbietung, Stock gegen Eisernes Fuß, handelte. Es ist unklar, ob bei der Vorführung ein oder mehrere T&#8217;ieh-Ch&#8217;ih zum Einsatz kamen.</p>
</blockquote>
<p><strong>• Dreizehn Schritte </strong>[十三歩, chin.: <em>Shih-San Pu</em>]<strong> - Aragaki <em>Tūji</em></strong></p>
<blockquote><p><strong></strong><strong><em>Anmerkung:</em></strong> Hierbei handelte es sich wahrscheinlich um die Vorführung einer waffenlosen Soloform namens Dreizehn Schritte. Im heutigen Karate gibt es viele Fassungen der Kata Seishan bzw. Seisan (Hangetsu). Aragakis Form war auf Grund der Namensverwandtschaft vermutlich eine Version von Seishan.</p>
</blockquote>
<p><strong>• Stock </strong>[棒]<strong> zusammen mit Chinesischer Hand </strong>[唐手, jap.: <em>Karate</em>, okin.: <em>Karati</em>, chin.: <em>T'ang-Shou</em>]<strong> - Maezato <em>Chiku Peichin </em>/ Aragaki <em>Tūji Peichin</em></strong><br />
 <em><strong> </strong></em></p>
<blockquote><p><em><strong>Anmerkung:</strong></em> Die Formulierung „zusammen mit&#8221; läßt darauf schließen, daß es sich um eine Zweikampfdarbietung, ‚Chinesische Hand‘ gegen Stock, handelte. Das Kanji 唐 bezeichnet T&#8217;ang-China bzw. generell China. Es wird u.a. „Kara&#8221; ausgesprochen. „Karati&#8221; kann also „chinesische Kampfkunst (Tī)&#8221; meinen. Ich gehe davon aus, daß es in diesem Fall als eine Art Wortspiel gebraucht wurde und gleichzeitig aussagen sollte, daß es sich um waffenlose Techniken gegen Stocktechniken handelt. Es fand also mehr oder weniger gleichbedeutend zur Schreibung 空手 Verwendung, die „Karati&#8221; gelesen und als „leere Hand&#8221; übersetzt werden kann.</p>
</blockquote>
<p><strong>• <em>Chishōkin</em> - Aragaki <em>Tūji Peichin</em></strong><br />
 <strong><em> </em></strong></p>
<blockquote><p><strong><em>Anmerkung:</em></strong> Dieser Begriff wurde ohne Kanji, allein lautsprachlich angeführt. Kinjō zufolge, könnte es sich um eine Variante eines noch heute bekannten Kata-Namens handeln, der „Shisōchin&#8221; lautet. Die Kata Shisōchin steht z.B. auf dem Lehrplan des Gōjū-Ryū.</p>
</blockquote>
<p><strong>• Rohrschild </strong>[藤牌] <strong>zusammen mit Stock</strong> [棒]<strong> - Tomimura <em>Chiku Peichin</em> / Aragaki <em>Tūji Peichin</em></strong><br />
 <strong><em> </em></strong></p>
<blockquote><p><strong><em>Anmerkung:</em></strong> Erneut läßt die Formulierung „zusammen mit&#8221; den Schluß zu, daß es sich um eine Zweikampfdarbietung, Stock gegen Rohrschild, handelte. Unklar bleibt, welche Angriffswaffe neben dem Rohrschild zum Einsatz kam bzw. ob überhaupt eine Angriffswaffe neben dem Rohrschild benutzt wurde.</p>
</blockquote>
<p><strong>• Eisernes Fuß </strong>[鉄尺, chin.: <em>T'ieh-Ch'ih</em>]<strong> - Maezato <em>Chiku Peichin</em></strong><br />
 <em><strong> </strong></em></p>
<blockquote><p><em><strong>Anmerkung:</strong></em> Ch&#8217;ih 尺 ist eine chinesische Maßeinheit. 1 Ch&#8217;ih beträgt umgerechnet 35,81 cm und entspricht in etwa 1 Fuß. T&#8217;ieh-Ch&#8217;ih bezeichnet einen kurzen Eisenstab bzw. einen metallenen Prügel mit rundem oder eckigem Querschnitt. Oft verfügt er über U-förmige Parierstangen. In der Kampfkunst Okinawas trägt diese Waffe heutzutage die Bezeichnung Sai 釵 (Haarschmucknadel). Es ist unklar, ob bei der Vorführung ein oder mehrere T&#8217;ieh-Ch&#8217;ih zum Einsatz kamen.</p>
</blockquote>
<p><strong>• Kreuzen der Hände </strong>[交手, chin.: <em>Chiao-Shou</em>]<strong> - Maezato <em>Chiku Peichin</em> / Aragaki <em>Tūji Peichin</em></strong></p>
<blockquote><p><em><strong>Anmerkung: </strong></em>Im Chinesischen wird mit diesem Ausdruck ein Kampf Mann gegen Mann beschrieben. D.h. es handelt sich um eine wahrscheinlich unbewaffnete Zweikampfübung bzw. -vorführung.</p>
</blockquote>
<p><strong>• Radstock </strong>[車棒, okin.: <em>Kuruma-Bō</em>]<strong> - Ikemiyagusuku <em>Sūchei</em></strong></p>
<blockquote><p><strong><em>Anmerkung:</em></strong> Es handelt sich um einen großen Dreschflegel, der als Waffe eingesetzt wurde. Indem sie verkleinert wurde, entwickelte sich aus dieser Art von Waffe das berühmte Nunchaku. Wie in den anderen Fällen handelte es sich wohl um die Vorführung einer Soloform.</p>
</blockquote>
<p><strong>• Einhundertundacht Schritte</strong> [壱百零八歩, chin.:<em> I-Pai Ling-Pa Pu</em>]<strong> - Tomimura <em>Chiku Peichin</em></strong></p>
<blockquote><p><strong><em>Anmerkung:</em></strong> Bezeichnung einer heute noch bekannten unbewaffneten Kata. Laut Kinjō Akio, müßte die korrekte Aussprache der Kata ‚Sopārinpei‘ und nicht wie heute üblich ‚Sūpārinpei‘ lauten.</p>
</blockquote>
<p>Zusammenfassend können wir festgehalten, daß Maezato, falls es sich in allen Fällen um dieselbe Person handelte, im Umgang mit dem Rohrschild, dem Eisernen Fuß, dem Stock sowie in unbewaffneten Verfahren geschult war. Vorausgesetzt, daß es sich immer um ein und denselben Adepten namens Aragaki handelte, dann hatte Aragaki die häufigsten Auftritte, welche belegen, daß er sowohl mit Stock als auch mit unbewaffneten Verfahren vertraut war. Tomimura führte den Einsatz des Rohrschilds sowie eine unbewaffnete Soloform vor. Abgesehen von Ikemiyagusuku, gingen folglich wohl alle damals auftretenden Adepten einer Kampfkunst nach, die bewaffnete wie unbewaffnete Bestandteile enthielt.</p>
<p>Augenscheinlich waren zu diesem Zeitpunkt sowohl Soloformen als auch Partnerübungen in der Kampfkunst Ryūkyūs gängig.</p>
<p>Schließlich zeigen die Titel der Vorführenden, daß es sich um Personen mit Rang und Namen, also Personen aus einer gehobenen gesellschaftlichen Klasse und keine Bürgerlichen, handelte.</p>
<h3>Bibliographie</h3>
<p>C.K. Ch&#8217;i: <em>Chi-Hsiao Hsin-Shu</em> (<em>Neue Abhandlung über den disziplinierten Dienst</em>), T&#8217;aipei 2000</p>
<p>K. Iwai: <em>Motobu Chōki to Ryūkyū Karate</em> (<em>Motobu Chōki und das Karate aus Ryūkyū</em>), Tōkyō 2001</p>
<p>A. Kinjō: <em>Karate Denshin-Roku</em> (<em>Lebensechte Aufzeichnungen zum Karate</em>), Naha 1999</p>
<p>M. Nakamoto: <em>Okinawa Dentō Kobudō. Gairyaku to Shuri-Te-Kei no Karate Kobudō no Tatsujin</em> (<em>Traditionelles Kobudō aus Okinawa - Ein Abriß mit Karate- und Kobudō-Meistern der Linie des Shuri-Te</em>), Uruma 2006</p>
<p>S. Takamiyagi et al.: <em>Okinawa Karate Kobudō Jiten</em> (<em>Lexikon des okinawanischen Karate und Kobudō</em>), Tōkyō 2008</p>
<p><em>Henning Wittwer</em></p>
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		<title>Motobu Chōki über Naihanchi und Kata allgemein</title>
		<link>http://www.gibukai.de/motobu-choki-uber-naihanchi-und-kata-allgemein/</link>
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		<pubDate>Sun, 27 Mar 2011 19:48:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>henning</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Allgemeines]]></category>

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		<description><![CDATA[Motobu Chōki 本部朝基 (1870-1944) zählt zu den bekannteren Zeitgenossen von Funakoshi Gichin 船越義珍 (1868-1957). Daher sind seine Ansichten zu den Kata nicht ganz uninteressant und es lohnt sich, sie in Erwägung zu ziehen. Hier folgt zunächst meine Übersetzung eines 1936 von ihm veröffentlichten Textes zur Kata Naihanchi, die im Shōtōkan-Ryū den Namen Tekki erhielt:
Die Kata Naihanchi [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Motobu Chōki 本部朝基 (1870-1944) zählt zu den bekannteren Zeitgenossen von Funakoshi Gichin 船越義珍 (1868-1957). Daher sind seine Ansichten zu den <em>Kata</em> nicht ganz uninteressant und es lohnt sich, sie in Erwägung zu ziehen. <span id="more-234"></span>Hier folgt zunächst meine Übersetzung eines 1936 von ihm veröffentlichten Textes zur <em>Kata</em> Naihanchi, die im Shōtōkan-Ryū den Namen Tekki erhielt:</p>
<blockquote><p><strong>Die Kata Naihanchi und Falschübermittlungen</strong></p>
<p>In Naihanchi öffnet man die Füße in der Form des Schriftzeichens 八 [Hachi; 8], wie Sie, glaube ich, bereits wissen. In diesem Fall gibt man in der Weise Kraft hinein, daß man die Fußflächen zusammenzieht und die Innenseiten fest zusammenpreßt. So unterrichtet man es heutzutage im allgemeinen.</p>
<p>Außerdem erachten die Leute dies als berechtigt, aber sie wurden außerordentlich fehlgeleitet. Allerorten schöpfen die Lehrmethoden dieser Kata hauptsächlich aus der Strömung des ehrwürdigen Itosu.</p>
<p>Beim ehrwürdigen Matsumura, beim ehrwürdigen Sakuma und dergleichen wurde es mir so gelehrt, daß man allein nur durch das Öffnen der Füße zum Schriftzeichen 八 Kraft bekommt. Dieser Punkt war auch mir anfangs ausgesprochen fraglich. Ich vergewisserte mich beim ehrwürdigen Matsumura und beim ehrwürdigen Sakuma.</p>
<p><span> </span>Matsumuras Aussage war: „Die Form von Itosu no Kamigā ist im Falle einer wirklichen Konfrontation äußerst gefährlich. Lasse sie sofort fallen!“</p>
<p>Ich denke, indem ich es immer wieder vermutet habe, daß ich Matsumuras Meinung folgen möchte. Zunächst stand ich versuchsweise mit der Itosu-Strömung in [der Form des] Schriftzeichens 八 und zog die Fußsohlen zusammen. Wenn ein Mensch ein bißchen von hinten mit seinen Fingerspitzen drückt, fällt man leicht um. Wieviel Kraft hineingebend man sich folglich auch aufstellt, es hat überhaupt keine Wirkung. Die Kata muß eine möglichst nahe an der Wirklichkeit gelehrte Sache sein. Wegen dem gewaltsamen Hineingeben der Kraft, hinterläßt man der Welt eine weit von der Wirklichkeit entfernte Kata.  Ich kann das nicht besonders bewundern. Deswegen kann ich diesem Zusammenziehen der Fußsohlen absolut nicht zustimmen. Gleichzeitig möchte ich es wagen, das falsch Gemachte einer breiten Öffentlichkeit zu enthüllen.</p>
</blockquote>
<p>Motobu unterrichtete, laut Nagamine, aber auch unter Zuhilfenahme von Lehrgedichten. Beim folgenden Beispiel handelt es sich um ein Gedicht im Ryūkyū-Stil, das von Motobu verwendet wurde:</p>
<blockquote><p style="text-align: center;"><strong>Kata ya Kata Sadami,</strong></p>
<p style="text-align: center;"><strong></strong><strong>Waja ya Waja Sadami:</strong></p>
<p style="text-align: center;"><strong>Hindi-Waja shiranu,</strong></p>
<p style="text-align: center;"><strong>Nu yakutachu ga.</strong></p>
<p style="text-align: center;">Die Form hat die Regeln der Form;</p>
<p style="text-align: center;">Die Technik hat die Regeln der Technik:</p>
<p style="text-align: center;">Kennst Du die Technik der verändernden Hand nicht,</p>
<p style="text-align: center;">Was nützen sie Dir [dann]?</p>
</blockquote>
<p><em>Hindi</em> kann ‚verwandelnde Hand‘ oder ‚merkwürdige Hand‘ bedeuten und steht für ein Konzept, das auch von Funakoshi gelehrt und beschrieben wurde. In diesem Punkt zeigt sich also eine klare gemeinsame Wurzel der beiden Karate-Pioniere.</p>
<h3><strong>Bibliographie</strong></h3>
<p>K. Iwai: <em>Motobu Chōki to Ryūkyū Karate</em> (<em>Motobu Chōki und das Karate aus Ryūky</em>ū), Tōkyō 2001</p>
<p>S. Nagamine: <em>Shijitsu to Kuden ni yoru. Okinawa no Karate Sumō Meijin-Den</em> (<em>Überlieferungen zu Meistern des okinawanischen Karate und Sumō – historische Tatsachen und mündliche Überlieferungen verwendend</em>), Tōkyō 1986</p>
<p><em>Henning Wittwer</em></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Ki und Karate: Ein Beitrag aus dem Jahr 1934</title>
		<link>http://www.gibukai.de/ki-und-karate-ein-beitrag-aus-dem-jahr-1934/</link>
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		<pubDate>Mon, 10 Jan 2011 15:47:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>henning</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Allgemeines]]></category>

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		<description><![CDATA[Ki oder chinesisch Ch&#8217;i - 氣 bzw. in vereinfachter Schreibung 気 - taucht als Begriff immer wieder mal in den überlieferten Texten der Karate-Pioniere auf. So verwenden ihn beispielsweise Asato Ankō (1828-1906), Itosu Ankō (1830-1914) oder auch Funakoshi Gichin (1868-1957). Allerdings ist es schwierig, diesen Begriff zu übersetzen. Denn einmal gehen jene Karate-Pioniere nicht weiter [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Ki</em> oder chinesisch <em>Ch&#8217;i</em> - 氣 bzw. in vereinfachter Schreibung 気 - taucht als Begriff immer wieder mal in den überlieferten Texten der Karate-Pioniere auf. So verwenden ihn beispielsweise Asato Ankō (1828-1906), Itosu Ankō (1830-1914) oder auch Funakoshi Gichin (1868-1957).<span id="more-233"></span> Allerdings ist es schwierig, diesen Begriff zu übersetzen. Denn einmal gehen jene Karate-Pioniere nicht weiter auf ihn ein, d.h. sie erläutern ihn nicht. Dazu gibt es gegenwärtig viele unterschiedliche Auslegungen des Begriffs. Um die Bedeutung dieses Begriffs etwas besser auszuloten, sollten wir Texte zu Rate ziehen, die aus dem damaligen Umfeld stammen. Dadurch erhalten wir eine Idee davon, was die Karate-Pioniere gemeint haben dürften, wenn sie von <em>Ki</em> sprachen.</p>
<p>Unten folgt meine Übersetzung eines kurzen Artikels, der im Jahre 1934 in der ersten und leider letzten Ausgabe des Journals „Forschungen zur Leeren Hand&#8221; abgedruckt wurde. Sein Titel lautet „<em>Ki</em>-Erziehung&#8221;. Allerdings schrieb ihn der Verfasser unter Verwendung eines Pseudonyms, nämlich Tokudai Genkotsu 特大拳骨, welches soviel wie „Die extragroße Faust&#8221; bedeutet. Abgesehen von dieser kleinen Einschränkung liefert der Text einen guten Einblick ins Thema:</p>
<h3 style="text-align: center;">Ki-Erziehung</h3>
<h3 style="text-align: center;">Tokudai Genkotsu</h3>
<p>Als ich eine Person, die zum erstenmal Karate sah, fragte, was Karate ist, wurde mir von ihr gesagt: „Karate ist <em>Ki</em>!&#8221; [Und sie sagte:] „Ich denke, allein schon durch solch ein <em>Ki</em>, das Leute erwerben, die sich den schwarzen Gürtel umbinden, ist Karate wirklich eine kostbare Sache.&#8221;</p>
<p>Von Meister Funakoshi wird immer gesagt, daß man Geisteserziehung [<em>Chiiku</em>], Moralerziehung [<em>Tokuiku</em>], Leibeserziehung [<em>Taiiku</em>] zusammen mit „<em>Ki</em>-Erziehung&#8221; [<em>Kiiku</em>] durchführen muß. Im Karate führt man von Natur aus diese <em>Ki</em>-Erziehung durch. Und es scheint, daß es durch das vorherige Wort bewiesen wird. Was das <em>Ki</em> betrifft, wenn man im Rang des <em>Shodan</em> [erste Stufe] eine <em>Kata</em> macht, wird von der anderen Seite das &#8216;Es ist ein bißchen schwer, sich anzunähern; es ist [ein bißchen] schwer, einzudringen.&#8217; lautende Gefühl in der Brust gehegt. Erzählt wohl nicht auch [die Floskel] „nicht kämpfend siegen&#8221; vom Geschehen aus dieser Region?</p>
<p>Wo werden Sie, Karate machend, am meisten müde? Die [so] lautende Frage ist eine Frage, die wir oft [gestellt] bekommen. Und wenn ich überlege, selbst wenn die Übung nicht einseitig ist, wenn es keine besonders ermüdende Stelle ist, ist es nichts, [wo] ich nicht auch besonders müde werde. Ich bin gezwungen zu sagen, daß der ganze Körper müde wird. Jedoch ist die Natur der Müdigkeit anders als die Müdigkeit wie nachdem man schwimmen war, nachdem man ein [heißes] Bad nahm und ähnlichem. Dies ist wohl [so], weil die Müdigkeit des <em>Ki</em> in hohem Maße zunimmt. Indem man ein <em>Shodan</em> wird, macht man, was das Abgeben von so viel <em>Ki</em> betrifft, im Fall einer Übung ziemlich sicher eine Übung des <em>Ki</em>. Dann wird das <em>Ki</em> müde. Bei einer Übung von einem Grad, bei dem das <em>Ki</em> nicht müde wird, wird nicht so viel <em>Ki</em> erworben. Bei der Müdigkeit des <em>Ki</em> gibt es vielleicht keine angenehme Ermüdung, wie bei der bloßen körperlichen Müdigkeit. Die &#8216;<em>Ki</em> schmieden&#8217; heißende Angelegenheit ist im Hinblick auf das [weitere] in der Gesellschaft leben das wichtigste, hat das weiteste Anwendungsgebiet und dazu den bedeutendsten Effekt. Schon [für] das Erwerben dieses einen <em>Ki</em> lohnt sich das Karate machen reichlich.</p>
<p>Indem man zu viel Karate macht, wird man krank. Es wird eine unerklärliche Krankheit. Diese [Krankheit] geht, weil das <em>Ki </em>müde geworden ist, mit gewöhnlichen Arzneien und Spritzen nicht weg. Aber indem ein Arzt irgendeine Krankheit hervorstochert, stellt er einem eine Arznei hin. Wenn nur die grundlegende Müdigkeit des <em>Ki</em> genest, bessert sich die Gesundheit. Daher müssen Karate machende Menschen gut den Ursprung des eigenen Leidens erforschen. Wenn sie für das Genesen des <em>Ki</em> andauernd keine Zeit haben, werden sie krank. Deswegen ist es, was auch [immer für ein] Training, dasselbe. Wenn man <em>Ki</em> gebraucht und dem Genesen keine Zeit gibt, wird man nicht gesund werden. Man ist immer müde.</p>
<p>Im Hinblick auf die Übung des Karate ist die für das <em>Ki </em>ermüdendste [Übung] die <em>Kata</em>. Als nächstes sind es die <em>Kumite</em>-Formen [<em>Kumite-Gata</em>]. Beim gewöhnlichen <em>Kumite</em> und <em>Makiwara</em> empfindet man die Müdigkeit des <em>Ki</em> nicht besonders. Was nur die Sache des letzteren betrifft, muß man sie als für die <em>Ki</em>-Erziehung nicht direkt nützlich ansehen. Die im Karate wichtigste Übung der <em>Kata</em> ist die Übung, [bei der] das <em>Ki</em> am meisten müde wird. Was diese Sache betrifft, [so] wird sie auch in der Bedeutung „Ein wichtiger Teil des Karate ist die <em>Ki</em>-Erziehung.&#8221; verstanden.</p>
<h3>Quelle</h3>
<p>G. Nakasone (Hrsg.): <em>Karate Kenkyū</em> (<em>Forschungen zur Leeren Hand</em>), Tōkyō 1934</p>
<p><em>Henning Wittwer</em></p>
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		<item>
		<title>Lexikoneinträge zum Shōtōkan-Ryū</title>
		<link>http://www.gibukai.de/lexikoneintrage-zum-shotokan-ryu/</link>
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		<pubDate>Tue, 10 Aug 2010 16:25:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>henning</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Allgemeines]]></category>

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		<description><![CDATA[In diesem kleinen Artikel möchte ich mögliche Probleme anschneiden, auf die ein Nutzer von Kampfkunstlexika treffen kann. Zur Veranschaulichung soll der Eintrag zum Shōtōkan-Ryū im „Großen Lexikon der Schulen der Kriegskünste&#8221;, dessen Erstausgabe 1978 erschien, genutzt werden. Er besteht aus zwei Teilen, nämlich einer kurzen Erklärung sowie einer Stammtafel. Werfen wir zunächst einen Blick auf [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In diesem kleinen Artikel möchte ich mögliche Probleme anschneiden, auf die ein Nutzer von Kampfkunstlexika treffen kann. Zur Veranschaulichung soll der Eintrag zum Shōtōkan-Ryū im „Großen Lexikon der Schulen der Kriegskünste&#8221;, dessen Erstausgabe 1978 erschien, genutzt werden.<span id="more-231"></span> Er besteht aus zwei Teilen, nämlich einer kurzen Erklärung sowie einer Stammtafel. Werfen wir zunächst einen Blick auf den ersten Teil:</p>
<blockquote><p><strong>Shōtōkan-Ryū </strong>松涛館流 (Karate)<br />
 Funakoshi Gichin [船越義珍]. Der vorherige Name ist Herr Funakoshi [富名腰]. Er wurde im Jahre Meiji 3 [1870] im Viertel Yamagawa in Shuri, Okinawa, geboren. Er wohnte in Tōkyō. Er lernte bei Asato Ankō [安里安恒]. Er war der Organisator der Nihon Karate Kyōkai [JKA]. Sein Dōjō hieß &#8216;Gebäude der Kiefernwoge&#8217; [Shōtōkan]. Er starb am 26. Tag des vierten Monats im Jahre Shōwa 32 [1957]; er [wurde] 88 Jahre.</p>
</blockquote>
<p>Obgleich es sich nur um einen knappen Text handelt, treffen wir auf einige Stolpersteine, sogar auf Fehler. Schon in der Überschrift finden wir das erste Problem. Die Autoren verwenden für „Shōtōkan&#8221; die Schriftzeichen (<em>Kanji</em>) 松涛館. Nun handelt es sich bei 涛 um eine vereinfachte Form des <em>Kanji</em> 濤. Vom Tag seiner Einweihung an wurde jedoch die Schreibung 松濤館 genutzt und auch der heutige Shōtōkan schreibt sich noch immer so. Aussprache und Bedeutung ändern sich durch die Schreibweise im Lexikon zwar nicht, doch es handelt sich eben keineswegs um die von Funakoshi gewählte Schreibung.</p>
<p><a href="http://www.gibukai.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/08/shotokan1.jpg"  rel="lightbox[roadtrip]"><img class="aligncenter size-thumbnail wp-image-232" title="shotokan" src="http://www.gibukai.de/wordpress/wp-content/uploads/2010/08/shotokan1-100x100.jpg" alt="" width="100" height="100" /></a></p>
<p>1870 ist nicht das reale Geburtsjahr Funakoshis, der in seiner Biographie ausführlich erläutert, daß er sein Geburtsjahr umdatierte. Tatsächlich wurde er 1868 geboren und wurde somit auch älter als 88 Jahre.</p>
<p>Mit der „Organisation der Nihon Karate Kyōkai&#8221;, die unter dem englischen Kürzel JKA bekannter ist, waren ab 1948 vor allem einige Schüler Funakoshis beschäftigt. Funakoshi selbst wurde als „Lehrmeister&#8221; (<em>Shihan</em> 師範) oder als „Höchster technischer Berater&#8221; (<em>Saikō Gijutsu Komon</em> 最高技術顧問) dieser Gesellschaft erachtet. Er fungierte daneben ebenso für Karate-Klubs zahlreicher Universitäten und privater Übungsstätten als <em>Shihan</em>. Besser müßte es folglich heißen: „Funakoshi war für viele Gruppen und Vereinigungen als &#8216;Lehrmeister&#8217; tätig, u.a. für die Nihon Karate Kyōkai&#8221;. Daß die JKA nur eine unter vielen Vereinigungen ist, zeigt sich in der nachfolgenden Schülerliste. Zurecht stellt sich daher die Frage, weshalb die Verfasser ausgerechnet die JKA in dem kurzen Text anführen, nicht aber z.B. seinen eigenen Verein, den Shōtōkai.</p>
<p>Dem kurzen Text folgt eine Stammtafel, in welcher nicht weniger als 51 Personen als Schüler Funakoshis angeführt werden. Für unsere Betrachtung genügen Ausschnitte dieser Übersicht:</p>
<p>□ <strong>Shōtōkan-Ryū Karate 松涛館流空手</strong></p>
<p>Funakoshi Gichin 船越義珍</p>
<p>┌──┘</p>
<p>├ Funakoshi Gigō 船越義豪 (Shōtōkai)<br />
 ╪<br />
 ├ Mizuda Tsugio 水田二雄 (Shōtō Rengōkai)<br />
 ├ Gima Shinkin 儀間真謹<br />
 ├ Kasuya Masahiro 粕屋真洋<br />
 ╪<br />
 ├ Nakayama Masatoshi 中山正敏 (Nihon Karate Kyōkai)<br />
 ├ Itō Kimio 伊藤公夫 (Nihon Karate Kyōkai)<br />
 ├ Nishiyama Hidetoshi 西山英俊<br />
 ├ Yoshida Moto&#8217;o 吉田基雄<br />
 ├ Matsumoto Yoshiharu 松本好治<br />
 ├ Yamanami Tadashi 山南忠<br />
 ├ Miyata Minoru 宮田実<br />
 ├ Fukui Isao 福井功 (Takukūkai)<br />
 ├ Shimizu Toshiyuki 清水敏之<br />
 ├ Ōtsuka Hironori 大塚博紀 (Wadō-Ryū)<br />
 ├ Konishi Yasuhiro 小西康裕 (Ryōbukan, Shindō Jinen-Ryū)<br />
 ├ Yamada Tetsuo 山田辰雄 (Nihon Kenpō-Ryū)<br />
 ├ Sasaki Takeshi 佐々木武 (Chidōkai)<br />
 ├ Hori Tomio 堀十三男 (Nihon Karate-Dō Dōjō-Kai)<br />
 ├ Taira Shinken 平信賢 (Kongō-Ryū)<br />
 ╪<br />
 ├ Egami Shigeru 江上茂 (Shōtōkai)<br />
 ├ Noguchi Hiroshi 野口宏 (Tōmonkai)<br />
 ├ Hironishi Genshin 広西元信 (Shōtōkai)<br />
 ├ Takagi Fusajirō 高木房次郎 <br />
 ├ Ogura Sumio 小暮清雄<br />
 ├ Shimoda Takeshi 下田武<br />
 ╪<br />
 └ Yamamoto Takayuki 山本孝行 (Shōtō Dōmonkai)</p>
<p>Alle Personen werden in dieser Übersicht als direkte Schüler Funakoshi Gichins dargestellt, was einer starken Vereinfachung entspricht. Insbesondere die jüngeren angeführten Persönlichkeiten erhielten ihren Karate-Unterricht innerhalb eines vielschichtigen Umfelds von älteren und jüngeren Kollegen (<em>Senpai</em> und <em>Kōhai</em>), in dem Funakoshi selbst manchmal nur noch als Randfigur auftauchte. Umgekehrt lernten ältere Personen, wie z.B. Kasuya Masahiro (1888-1969), quasi ausschließlich von Funakoshi.</p>
<p>Einigen Personen werden Vereinigungen zugeordnet, anderen nicht. Manchmal handelt es sich bei letzteren um recht bekannte Vertreter der ein oder anderen Organisation, was dem Leser des Lexikons somit natürlich verborgen bleibt. Problematisch ist zudem, daß der ein oder andere Adept gleich Mitglied mehrerer Vereinigungen ist bzw. war.</p>
<p>Bei den Vereinigungen bzw. Strömungen fällt „Kongō-Ryū&#8221; besonders auf, da es sich offensichtlich um ein Erfindung der Autoren handelt. Im Lexikon gibt es für diese Strömung sogar einen eigenen Eintrag. Ihr vermeintlicher Schöpfer ist Taira Shinken (1897-1970). Taira nutzte die Bezeichnung „<em>Kongō</em>&#8221; 金剛 tatsächlich, aber allein zur Bezeichnung zweier <em>Kata</em>. 1938 nannte er die <em>Kata</em> Shūji no Kon (Shūshi no Kon) „Kongō no Kon&#8221; und später stellte er eine eigene Stock-<em>Kata</em> zusammen, der er die Bezeichnung „Kongō no Kon&#8221; gab. Jedenfalls gründete er keine eigene Schulrichtung diesen Namens.</p>
<p>Unter den Personennamen können wir ein paar Fehler ausmachen. Beispielsweise wird der Name „Kasuya Masahiro&#8221; im Lexikon mit den <em>Kanji</em> 粕屋真洋 geschrieben. Gelesen werden sie tatsächlich „Kasuya Masahiro&#8221;; aber die Person, um die es geht, schreibt sich 粕谷真洋. Mit „Nishiyama Hidetoshi&#8221; ist mit großer Wahrscheinlichkeit Nishiyama Hidetaka (1928-2008) gemeint. Sein Name müßte richtig 西山英峻, anstatt 西山英俊 geschrieben werden.</p>
<p>Abgesehen davon werden einige Namen - ähnlich wie im Fall „Shōtōkan&#8221; - mit vereinfachten <em>Kanji </em>geschrieben. So wäre die Schreibung für „Hironishi Genshin&#8221; 廣西元信, anstelle von 広西元信.</p>
<p>Wie wir am Beispiel des Eintrags für „Shōtōkan-Ryū&#8221; im „Großen Lexikon der Schulen der Kriegskünste&#8221; sahen, sollten Nachschlagewerke zur Kampfkunst infolgedessen mit einem kritischen Auge gelesen werden. Zusammengefaßt sind als Hauptprobleme, auf die wir dabei immer wieder stoßen, zu nennen:</p>
<ul>
<li>falsche Schreibung von Namen und Bezeichnungen</li>
<li>falsche Jahreszahlen</li>
<li>auf Grund der Kompaktheit mißverständliche oder unzureichende Erläuterungen</li>
</ul>
<h3>Bibliographie</h3>
<p>G. Funakoshi: <em>Karate-Dō Ichirō </em>(<em>Karate-Dō - Ein Weg</em>), Tōkyō 1976</p>
<p>G. Hironishi (Hrsg.): <em>Egami Shigeru Tsuisōroku</em> (<em>Erinnerungen an Egami Shigeru</em>), Tōkyō 1981</p>
<p>M. Nakamoto: <em>Okinawa Dentō Kobudō. Gairyaku to Shuri-Te-Kei no Karate Kobudō no Tatsujin </em>(<em>Traditionelles Kobudō aus Okinawa - Ein Abriß mit Karate- und Kobudō-Meistern der Linie des Shuri-Te</em>), Uruma 2006</p>
<p>K. Watani / T. Yamada: <em>Bugei Ryūha Daijiten</em> (<em>Großes Lexikon der Schulen der Kriegskünste</em>), Tōkyō 2003</p>
<p><em>Henning Wittwer</em></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Tōyama Kanken über den Stock und Karate</title>
		<link>http://www.gibukai.de/toyama-kanken-uber-den-stock-und-karate/</link>
		<comments>http://www.gibukai.de/toyama-kanken-uber-den-stock-und-karate/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 05 Jan 2010 20:01:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>henning</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Allgemeines]]></category>

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		<description><![CDATA[Tōyama Kanken 遠山寛賢 (1888-1966) zählt zu jenen Pionieren, welche die Kampfkunst Ryūkyūs zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf den japanischen Hauptinseln vorstellten und verbreiteten. Nachdem er 1930 nach Tōkyō gekommen war, veröffentlichte er Artikel über Karate und verfaßte später einige Bücher zum selben Thema. Sechs Jahre vor seinem Tod erschien sein Hauptwerk, das den Titel [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;">Tōyama Kanken 遠山寛賢 (1888-1966) zählt zu jenen Pionieren, welche die Kampfkunst Ryūkyūs zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf den japanischen Hauptinseln vorstellten und verbreiteten. Nachdem er 1930 nach Tōkyō gekommen war, veröffentlichte er Artikel über Karate und verfaßte später einige Bücher zum selben Thema.<span id="more-226"></span> Sechs Jahre vor seinem Tod erschien sein Hauptwerk, das den Titel „Großer Schatzspiegel des Karate-Dō&#8221; trägt. „Schatzspiegel&#8221; ist hier eine Metapher für ein Handbuch. Unten folgt meine Übersetzung zweier Abschnitte, in denen er sich über den Stock und seine Beziehung zum Karate äußert.</p>
<p>Im Vorwort seines „Schatzspiegels&#8221; erwähnt er drei Vorgaben für Personen, die ein zuverlässiges Karate-Buch zu schreiben gedenken. Tōyama will diese drei Punkte mündlich von Itosu Ankō 糸洲安恒 (1830-1914) vermittelt bekommen haben. Dabei wird u.a. die Einheit von Techniken der leeren Hand (Karate) und Waffentechniken betont:</p>
<blockquote><p>Der Führer der Restauration des Karate-Dō, mein verehrter Lehrer, Meister Itosu Yasutsune [Ankō],  pflegte immer die folgenden drei Bedingungen als Eigenschaften einer Person anzuführen, die versucht, ein verantwortungsvolles Karate-Buch an die Öffentlichkeit zu bringen.</p>
<p><strong>Erstens</strong> ist sie ein Fachmann, der mehrere Jahrzehnte hintereinander am Studium des orthodoxen Karate-Dō Okinawas arbeitete, der sich leidend schmiedete und wild übte, der dessen Mark ergründete und der es vermag, dies im <em>Dōjō</em> wirklich lebendig werden zu lassen und [andere] anzuleiten.</p>
<p><strong>Zweitens</strong> ist sie ein Kampfkünstler [<em>Bushi</em>], der viele Jahre die seit alters schwesterlich und [wie] zwei Räder [eines Wagens] mit dem Karate-Dō in Verbindung stehenden wunderbaren Fertigkeiten des <em>Bō-Jutsu</em>, des <em>Sai-Jutsu</em>, des <em>Nunchaku-Jutsu</em>, des <em>Tonfa-Jutsu</em> usw. erforschte, der es vermag, ihre Techniken mit Überzeugung anzufangen.</p>
<p><strong>Drittens</strong> ist sie ein Mensch, der auch angesichts der chinesischen Faustmethoden [<em>Kenpō</em>] und so weiter beträchtliche Einsichten besitzt, der sie zu demonstrieren vermag.</p>
</blockquote>
<p>Dementsprechend widmet Tōyama ein Kapitel seines Werks zwei okinawanischen Waffen, nämlich den <em>Sai</em> und dem <em>Bō</em> (Stock). Zum Stock liefert er folgende Erklärungen ab:</p>
<blockquote><p style="text-align: center;"><strong>Eine Wunderbare Fertigkeit aus Okinawa - Die Kunst des Stockes</strong></p>
<p>Man schwingt einen Eichenstock von sechs <em>Shaku</em> [ca. 1,82 Meter] nach vorn und hinten, links und rechts, oben und unten, steht allerlei Waffen gegenüber und setzt Techniken des Angriffs und der Verteidigung effektiv und passend ein. Das ist die Kunst des Stockes [<em>Bō-Jutsu</em>]. Indem sie auf einer bestimmten Kampfaufführlinie [<em>Enbusen</em>] mit den Techniken anfängt, hat sie die effektivsten Schwünge. Die Angelegenheit, die aber deren Grundlage bildet, ist dieselbe Atemmethode wie im Karate.</p>
<p>Sie wurden von den althergebrachten Berühmtheiten und Meistern Okinawas als Ergebnis ihrer Bemühungen und ihres Stählens, abhängig von den Gesetzen des Angriffs und der Verteidigung, ersonnen. Diese fortlaufenden Techniken mit dem Stock wurden tüchtig unter den Kampfkünstlern aufgeführt. Und die, die [bis] heute hinterlassen wurden, sind</p>
<ol>
<li>Tenryū no Kon</li>
<li>Shūshi no Kon [Shūji no Kon]</li>
<li>Sakukawa no Kon [Sakugawa no Kon] (Shodan, Nidan, Sandan)</li>
<li>Yonekawa no Kon</li>
<li>Hakuson no Kon [Shirotaru no Kon]</li>
<li>Sunakake no Kon (zwei Stufen)</li>
<li>Tsuken-Bō</li>
<li>Teruya no Kon</li>
<li>Ōshiro no Kon</li>
<li>Chibana no Kon</li>
</ol>
<p>und zwei, drei andere Arten.</p>
<p>Kon [棍] und Bō [棒] sind ganz und gar dasselbe. Trifft man auf den Start der Techniken der Kunst des Stockes, sind es außergewöhnlich heldenmütige und lebhafte Kampftechniken. Indem man die betrachtende Person ist, vermittelt sie einem einen großartigen Eindruck. Es sind heldenhafte und prächtige Kampftechniken, [bei deren Betrachtung] die Hände vor Spannung  schwitzen.</p>
<p>So wie es bei der leeren Hand [Karate] das <em>Kumite</em> gibt, gibt es auch in der Kunst des Stockes das von zwei sich gegenüberstehenden Personen aufgeführte <em>Kumibō</em>.</p>
<p>Trifft man auf den Start der Techniken mit dem Stock, nehmen beide Hände einen Eichenstock von sechs <em>Shaku</em> und fassen ihn, indem sie ihn oben, in der Mitte und unten in drei gleiche Teile teilen. Was obere Stufe und untere Stufe betrifft, [so] wechselt man sie immer. Man erschüttert den Schwerpunkt seines Körpers nicht und schwingt [den Stock] gemäß den Gesetzen des Angriffs und der Verteidigung.</p>
</blockquote>
<h3>Bibliographie</h3>
<p>S. Takamiyagi et al.: <em>Okinawa Karate Kobudō Jiten</em> (<em>Lexikon des okinawanischen Karate und Kobudō</em>), Tōkyō 2008</p>
<p>K. Tōyama: <em>Karate-Dō Taihōkan</em> (<em>Großer Schatzspiegel des Karate-Dō</em>), Tōkyō 1960</p>
<p><em>Henning Wittwer</em></p>
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		<item>
		<title>Prominente Stimmen zu Funakoshi Gichin</title>
		<link>http://www.gibukai.de/prominente-stimmen-zu-funakoshi-gichin/</link>
		<comments>http://www.gibukai.de/prominente-stimmen-zu-funakoshi-gichin/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 05 Oct 2009 19:36:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>henning</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Allgemeines]]></category>

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		<description><![CDATA[31 Jahre nach Funakoshi Gichins 船越義珍 (1868-1957) Ableben nahm sich eine japanische Karate-Zeitung vor, das „ungeschminkte Gesicht“ dieses Karate-Pioniers vorzustellen. Zu diesem Zweck sammelte sie u.a. von einigen bekannten Größen aus der Welt des Karate kurze Kommentare zu seiner Person. Zwei der Befragten waren Schüler Funakoshis, vier weitere unter ihnen stammten aus anderen Schulrichtungen des [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>31 Jahre nach Funakoshi Gichins 船越義珍 (1868-1957) Ableben nahm sich eine japanische Karate-Zeitung vor, das „ungeschminkte Gesicht“ dieses Karate-Pioniers vorzustellen. Zu diesem Zweck sammelte sie u.a. von einigen bekannten Größen aus der Welt des Karate kurze Kommentare zu seiner Person. <span id="more-225"></span>Zwei der Befragten waren Schüler Funakoshis, vier weitere unter ihnen stammten aus anderen Schulrichtungen des Karate und beim siebten handelte es sich um seinen Enkelsohn.</p>
<p>Um ein möglichst vollständiges Bild von Funakoshi Gichin, seinem Leben und seiner Lehre, zu erhalten, ist es durchaus sinnvoll, auch solche persönlichen Meinungen zu kennen. Unten findet sich meine Übersetzung dieser Aussagen, die in keiner bestimmten Reihenfolge angeordnet sind. Im Original folgt jedem der Namen noch ein Hinweis auf das damals von ihm ausgefüllte Amt in dieser oder jener Organisation.</p>
<p><strong>Nagamine Shōshin 長嶺将真 (1907-1997):</strong></p>
<blockquote><p>Er ist unter der Vielzahl der Kampfkünstler [Bujin] des okinawanischen Karate, Sumō usw. eine Person, die historisch eine Position in der Spitzenklasse einnimmt. In der Welt des Karate ist er eine Person mit bedeutenden Verdiensten und gleichzeitig war er ein hervorragender Kampfkünstler.</p>
</blockquote>
<p><strong>Nakazato Shūgorō 中里周五郎 (geb. 1920):</strong></p>
<blockquote><p>Mein Lehrer, Chibana Chōshin [知花朝信; 1885-1969], war ein jüngerer Mitschüler von Meister Funakoshi. Von Meister Chibana hörte ich, daß er ein sanftmütiger und ziemlich großartiger Mann war. Es ist wohl gut, ihn sowohl im Gelehrtentum [Gaku] als auch in der Kampfkunst [Bu] einen Fachmann zu nennen, nicht wahr?</p>
</blockquote>
<p><strong>Higa Yū</strong><strong>choku 比嘉佑直 (1910-1995):</strong></p>
<blockquote><p>Mein Lehrer war Meister Chibana und Meister [Chibana] hatte Respekt vor Meister Funakoshi, wirklich! Auch der gemeinsame Lehrer der beiden Herren, Meister Itosu, soll ihn gelobt haben.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;" align="JUSTIFY">Dann gibt es eine Sache, die ich von einer Person aus dem &#8216;Pförtnerhaus der Klarheit und des Rechten&#8217; [Meisei-Juku] hörte. Anfangs wurde von der Allgemeinheit gesagt, daß seine kämpferischen Vorführungen des Karate und das Tanzen gleichartig sind. In der Geschichte heißt es also, daß ein Schüler von Meister Funakoshi, Taira Shinken [平信賢; 1897-1970], [infolgedessen] entrüstet Übung anhäufte und Bruchtests [Tameshi-Wari] mit Brettern anfing.</p>
</blockquote>
<p><strong>Miyahira Katsuya 宮平勝哉 (1918-2010):</strong></p>
<blockquote><p>Gerade als er Schuldirektor der Grundschule wurde, soll er hoch in die Hauptstadt [nach Tōkyō] gegangen sein, nicht wahr? Was technische Größen des Karate betrifft, waren es in Okinawa viele, aber der, der gebildet erklären konnte, war wohl Meister Funakoshi.</p>
<p>Auch ich ging im Jahre Shōwa 32 [1957] nach Tōkyō und da ich die Gelegenheit hatte, wollte ich ihn unbedingt treffen. Damals konnte ich ihn aber mit seiner [schlechten] körperlichen Verfassung nicht sprechen.</p>
</blockquote>
<p><strong>Takagi Masatomu 高木正朝 (1912-1996):</strong></p>
<blockquote><p>Ich bin seit meiner Studentenzeit im Jahre Shōwa 4 [1929] ins &#8216;Pförtnerhaus der Klarheit und des Rechten&#8217; [Meisei-Juku] gegangen. Ach, das war so ein Erlebnis! Einmal habe ich versucht, auf den sitzend eingenickten und schlummernden Meister mit einem &#8220;Ei!&#8221; einen Stoß abzugeben. Dann sprang der Meister so im Schneidersitz [Agura] etwa einen Meter und machte dabei eine Annahme auf der mittleren Stufe [Chūdan-Uke]!</p>
<p>Seine Technik [Waza] war das Höchste und dazu hinterließ er mit den &#8216;Zwanzig Unterweisungen zum Karate&#8217; das Mark des Karate-Dō, nicht wahr? Ist es also nicht gut, ihn einen Philosophen zu nennen? Je mehr er alterte, desto mehr traf die Größe des Meisters mein Herz!</p>
</blockquote>
<p><strong>Noguchi Hiroshi 野口宏 (geb. 1909):</strong></p>
<blockquote><p>Seitdem ich ihn zum ersten Mal sah, lautete mein Eindruck, daß dieser Meister sowohl in Unterrichtsmethode, als auch im Charakter gut ist, wirklich!</p>
<p>Meine erste Erinnerung war der Zeitpunkt einer kämpferischen Vorführung zur Mitgliederwerbung für neue Studenten der Waseda-Universität. Als ich mit einem vom Meister gekauften Brett einen Bruchtest [Tameshi-Wari] machte, zerbrach es einmal nicht und ich habe mir die Finger verletzt. Damals bekam ich von ihm gesagt: &#8220;Sie haben den Feind also leider nicht erforscht, oder?!&#8221; Diese bleiben mir als tiefe Worte noch immer erhalten.</p>
</blockquote>
<p><strong>Funakoshi Ichirō 船越一郎, der älteste Sohn des ältesten Sohnes von Funakoshi Gichin, sein Enkel:</strong></p>
<blockquote><p>Nicht ein Mal wurde ich von Großvater gescholten, wirklich! Er war ein heiterer Großpapa mit guter Gesundheit. Wir haben sieben Jahre zusammen gelebt und wenn er Zeit hatte, machte er Schriftsachen. Er saß immer im Seiza [Fersensitz mit geradem Rücken], wirklich! Er war klein und hatte ein bißchen O-Beine. Er sagte selber, daß er von klein auf Karate machte und seinen Körperbau gefestigt hatte.</p>
</blockquote>
<h3>Quelle</h3>
<p>„<em>Gekkan Karate-Dō</em>“ (Karate-Dō. Monatliche Ausgabe), Tōkyō Mai 1988</p>
<p><em>Henning Wittwer</em></p>
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		<item>
		<title>Karate-Werbung anno 1937</title>
		<link>http://www.gibukai.de/karate-werbung-anno-1937/</link>
		<comments>http://www.gibukai.de/karate-werbung-anno-1937/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 12 Apr 2009 13:13:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>henning</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Allgemeines]]></category>

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		<description><![CDATA[Wie wurde Karate im Japan der 1930er Jahre beworben? Eine Antwort auf diese Frage liefert zugleich auch Anhaltspunkte über das Selbstverständnis der Karate-Anhänger jener Zeit. In einer im Frühling 1937 (Shōwa 12) herausgebrachten Broschüre mit dem Titel „Gespräche zum Karate&#8221; findet sich ein Beispiel für solch eine Werbung. Ihr Verfasser ist Nakasone Genwa 仲宗根源和 (1895-1978), [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wie wurde Karate im Japan der 1930er Jahre beworben? Eine Antwort auf diese Frage liefert zugleich auch Anhaltspunkte über das Selbstverständnis der Karate-Anhänger jener Zeit. In einer im Frühling 1937 (Shōwa 12) herausgebrachten Broschüre mit dem Titel „Gespräche zum Karate&#8221; findet sich ein Beispiel für solch eine Werbung.<span id="more-224"></span> Ihr Verfasser ist Nakasone Genwa 仲宗根源和 (1895-1978), der für die Herausgabe einiger Veröffentlichungen über die Kampfkunst seiner Heimat, der Präfektur Okinawa, bekannt ist. Er verfaßte diese Werbung anstelle eines Vorwortes. Hier meine Übersetzung:</p>
<blockquote><p style="text-align: center;"><strong>Lernen Sie Karate!</strong></p>
<p>Karate gibt Personen ohne Gallenkraft [Mut] Gallenkraft.<br />
 Karate gibt Personen ohne Tapferkeit Tapferkeit.<br />
 Karate schützt einen bei unerwarteten Vorfällen.<br />
 Karate fördert die Gesundheit und verdoppelt die Leistungsfähigkeit.<br />
 Karate macht das Leben klar und heiter und es sichert ein langes Leben.</p>
<p>Karate kann man alleine üben. Man kann es auch zusammen in einer Gruppe von Leuten üben.<br />
 Karate können alle üben, Kinder und alte Leute, Männer und Frauen.</p>
<p>Die Übung des Karate kommt der Körperkraft eines jeden einzelnen entgegen und es steht einem frei, ob sie heftig oder leicht ist.<br />
 Für die Übung des Karate ist es überhaupt kein Hindernis, ob es ein enger Ort oder ein weiträumiger Ort ist.<br />
 Für die Übung des Karate ist ein bißchen Zeit am Morgen, Mittag oder auch Abend gut.</p>
<p>Zur Zeit haben wir eine Notlage. Für Privatperson und für die Gruppe in der Familie, der Gesellschaft und der Nation sind derzeit die Tugenden der Tapferkeit, der Gallenkraft [Mut], der Gesundheit, der Leistungsfähigkeit, der Klarheit usw. der notwendigste Faktor zur Überwindung der Notlage.<br />
 Ich rufe: Lassen Sie es mit lauter Stimme weit und breit im ganzen Land erhallen, ohne die Ohren der hundert Millionen von Landsleuten zu übergehen!</p>
<p><strong>»Lernen Sie Karate! Und überwinden Sie dann die Notlage!«</strong></p>
</blockquote>
<p>Im letzten Teil enthält dieser Text einen deutlich politischen Unterton. Bereits 1934 gab Nakasone in der ersten und offenbar leider letzten Ausgabe seines Journals „Forschungen zur Leeren Hand&#8221; (<em>Karate Kenkyū</em>) bekannt:</p>
<blockquote><p>Karate-Dō ist bei der Pflege des Geistes des neuen japanischen <em>Bushidō</em> das mächtigste <em>Budō</em>.</p>
</blockquote>
<p>Das, was er hier als „neues japanisches <em>Bushidō</em>&#8221; bezeichnet, stellt vereinfacht ausgedrückt eine vom Staat gegründete Ideologie dar, welche den Kaiser zu ihrem Mittelpunkt erhebt und u.a. zum Gehorsam auffordert. Daraus wird ersichtlich, daß Nakasone sich dieser Ideologie anschloß. Während er sich 1934 vor allem an Karate-Anhänger selbst richtete, warb er mit „Lernen Sie Karate!&#8221; in der allgemeinen japanischen Öffentlichkeit.</p>
<p>Auch Funakoshi Gichin 船越義珍 (1868-1957) widersprach dem japanischen Zeitgeist der 1930er Jahre nicht wirklich, als er beispielsweise 1935 formulierte:</p>
<blockquote><p>Nach dem, was ich glaube, ist es [das Karate] eine Sache, die zum Vorstoß des <em>Yamato</em>-Volks in die Welt beiträgt.</p>
</blockquote>
<h3>Bibliographie</h3>
<p>G. Nakasone (Hrsg.): <em>Karate Kenkyū</em> (<em>Forschungen zur Leeren Hand</em>), Tōkyō 1934</p>
<p>G. Nakasone: <em>Karate no Hanashi. Risōna Taiiku Goshin Rentan Hō</em> (<em>Gespräche zum Karate – Eine ideale Methode der Leibeserziehung, des Selbstschutzes und zum Schmieden des Muts</em>) (Neuauflage), Ginowan 1997</p>
<p><!-- 		@page { size: 21cm 29.7cm; margin: 2cm } 		P { margin-bottom: 0.21cm } --></p>
<p><em>Henning Wittwer</em></p>
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		<item>
		<title>Die Karate-Gedichte des Asato Ankō</title>
		<link>http://www.gibukai.de/die-karate-gedichte-des-asato-anko/</link>
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		<pubDate>Fri, 02 Jan 2009 06:57:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>henning</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Allgemeines]]></category>

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		<description><![CDATA[Häufig finden wir im Umfeld der japanischen Kampftraditionen Verweise auf den Doppelweg von Literatur und Kampfkunst (Bunbu Ryōdō). Allgemein ausgedrückt beschreibt diese Maxime, daß sich ein Kampfkünstler neben dem Meistern seiner kämpferischen Fertigkeiten unter anderem zusätzlich mit Literatur und den schönen Künsten befassen kann. Auch die Kampfkünstler des Inselkönigreichs Ryūkyū machten sich diesen Doppelweg zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Häufig finden wir im Umfeld der japanischen Kampftraditionen Verweise auf den Doppelweg von Literatur und Kampfkunst (<em>Bunbu Ryōdō</em>). Allgemein ausgedrückt beschreibt diese Maxime, daß sich ein Kampfkünstler neben dem Meistern seiner kämpferischen Fertigkeiten unter anderem zusätzlich mit Literatur und den schönen Künsten befassen kann. <span id="more-223"></span>Auch die Kampfkünstler des Inselkönigreichs Ryūkyū machten sich diesen Doppelweg zu eigen.</p>
<p>Für Funakoshi Gichin 船越義珍 (1868-1957) stellte sein Karate-Lehrer, Asato Ankō 安里安恒 (1828-1906), ein vorbildliches Beispiel für eben diesen Doppelweg dar. So war Asato im Umgang mit dem japanischen Säbel, mit typischen okinawanischen Waffen, wie dem Stock (<em>Bō</em>), dem <em>Nunchaku</em> usw., im Kampf mit bloßer Hand, im Bogenschießen und Reiten ebenso bewandert wie in der chinesischen und japanischen Dichtkunst.</p>
<p>Im Jahre 1909 veröffentlichte der Karate- und Jūdō-Anhänger Tokuda Antei 徳田安貞 in Ausgabe 18 von „Kyūyō&#8221; einen Artikel, in welchem er die Gedanken seines Karate-Lehrers, Itosu Ankō 糸洲安恒 (1830-1914), vorstellte. Dabei griff er auch auf zehn von Asato Ankō verfasste Kurzgedichte zurück, in denen Asato Lehrsätze seines Freundes Itosu poetisch verarbeitete.</p>
<p>In diesem Fall handelt es sich um Kurzgedichte (<em>Tanka</em>) im japanischen Stile. <em>Tanka</em> setzen sich immer aus 31 Silben zusammen, welche einem Muster von 5 Silben - 7 Silben - 5 Silben und schließlich 7 Silben - 7 Silben folgen. Diese typisch japanische Art der Dichtung findet sich bereits in der „Sammlung der Zehntausend Blätter&#8221; (Man&#8217;yōshū), einer Gedichtsammlung vom Ende des 8. Jahrhunderts.</p>
<p>Bemerkenswert ist überdies, daß Asato das Thema „Karate&#8221; für einige seiner dichterischen Werke aufgreift. Denn dies offenbart eine tiefergehende Verbundenheit Asatos mit seiner Kampfkunst, aber auch mit seinem „Waffenbruder&#8221; Itosu, dessen Lehrmeinung er ja zu Papier brachte.</p>
<p>Im folgenden stelle ich fünf der zehn <em>Tanka</em> Asato Ankōs vor. Ich wählte diese fünf, da ich ihre Übersetzung nicht umfangreicher kommentieren brauche und sie mehr oder weniger selbsterklärend sind. (Alle zehn sollen zu einem späteren Zeitpunkt in gedruckter Form veröffentlicht werden.) Asato gebraucht in seinen <em>Tanka</em> für den Begriff „Karate&#8221; die <em>Kanji</em> für „Chinesische Hand&#8221;, 唐手. Hier gebrauche ich für die Postposition „<em>o</em>&#8221; die alte Umschrift „<em>wo</em>&#8220;.</p>
<p>Unser erstes Beispiel mahnt zum gleichzeitigen Meistern von Theorie und Praxis:</p>
<blockquote><p style="text-align: center;"><strong>Taiy</strong><strong>ō</strong><strong> wo<br />
 kanete jukuren<br />
 sezari naba</strong></p>
<p style="text-align: center;"><strong>Karate no Michi wo<br />
 ayamarurunari.</strong></p>
<p style="text-align: center;">Wenn Ihr in Wesen und Funktion<br />
 nicht gleichzeitig erfahren<br />
 werdet,</p>
<p style="text-align: center;">im Wege des Karate<br />
 Ihr Euch irrt!</p>
</blockquote>
<p>Eine grundlegende Forderung zur Körperausrichtung liefert das zweite Beispiel:</p>
<blockquote><p style="text-align: center;"><strong>Kata wo sage<br />
 Koshi wo massugu<br />
 fumitatete</strong></p>
<p style="text-align: center;"><strong>Ashi ni Chikara wo<br />
 tsuyoku toru beshi.</strong></p>
<p style="text-align: center;">Senkt die Schultern,<br />
 Begradigt die Hüften<br />
 und steht aufstampfend</p>
<p style="text-align: center;">Und in die Beine die Kraft<br />
 Ihr solltet nehmen stark!</p>
</blockquote>
<p>Wer fleißig trainiert, kann - laut Itosu - auf einen kräftigen Körper hoffen:</p>
<blockquote><p style="text-align: center;"><strong>Karate woba<br />
 Kinkotsu tsuyoku<br />
 korikatame</strong></p>
<p style="text-align: center;"><strong>Mi wo Tesseki ni<br />
 nasu mono zokashi.</strong></p>
<p style="text-align: center;">Karate<br />
 die Muskeln und Knochen stark<br />
 härtet und festigt.</p>
<p style="text-align: center;">Der Körper zu Eisen und Stein<br />
 wird, in der Tat!</p>
</blockquote>
<p>Ein Ziel der Karate-Übung beschreibt das folgende Beispiel:</p>
<blockquote><p style="text-align: center;"><strong>Karate woba<br />
 tsuku mo keru wo mo<br />
 jukutatsushi</strong></p>
<p style="text-align: center;"><strong>Teashi wo Yari no<br />
 Hoko to nasu beshi.</strong></p>
<p style="text-align: center;">Karate<br />
 sowohl das Stoßen als auch das Treten<br />
 meistert.</p>
<p style="text-align: center;">Und Hände und Füße zu Speer-<br />
 spitzen werden!</p>
</blockquote>
<p>Schließlich liegt der Nutzen der Anwendung des Karate für Itosu in einem wirkungsvollen Schlag:</p>
<blockquote><p style="text-align: center;"><strong>Karate woba<br />
 Tsubame no yōni<br />
 hayakarumo</strong></p>
<p style="text-align: center;"><strong>Ate ga kikanuba<br />
 Eki nakarikeri.</strong></p>
<p style="text-align: center;">Ist Karate<br />
 wie eine Schwalbe<br />
 auch so schnell,</p>
<p style="text-align: center;">wenn der Schlag nicht wirkt,<br />
 hat es keinen Nutzen!</p>
</blockquote>
<p>Natürlich kennt die Karate-Welt weitere <em>Tanka</em>, die das Karate mehr oder weniger unmittelbar thematisieren, doch Asato Ankōs Kurzgedichte sind die bisher ältesten, mir bekannten Beispiele. Daher nehmen sie eine besondere historische Stellung ein.</p>
<h3>Bibliographie</h3>
<p>G. Funakoshi: <em>Onshi Asato Ankō Sensei no Itsuwa</em> (<em>Anekdoten über meinen verehrten Lehrer, Meister Asato Ankō</em>) (Artikel), Tōkyō 1934 [deutsch in „<em>Shōtōkan - überlieferte Texte &amp; historische Untersuchungen</em>"]</p>
<p>S. Takamiyagi et al.: <em>Okinawa Karate Kobudō Jiten</em> (<em>Lexikon des okinawanischen Karate und Kobudō</em>), Tōkyō 2008</p>
<p><em>Henning Wittwer</em></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Uechi Kanbun &#038; das chinesische Boxen um 1900</title>
		<link>http://www.gibukai.de/uechi-kanbun-das-chinesische-boxen-um-1900/</link>
		<comments>http://www.gibukai.de/uechi-kanbun-das-chinesische-boxen-um-1900/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 15 Sep 2008 08:51:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>henning</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Allgemeines]]></category>

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		<description><![CDATA[Unbestritten stellte das chinesische Boxen (Ch&#8217;üan-Fa) einen bedeutenden Einflußfaktor in der Entwicklung des Karate dar. Uechi Kanbun (1877-1948) war ein Okinawaner, der 1897 nach China ging und dort das chinesische Boxen kennenlernte. Ein Student namens Mabuni interviewte Uechi und veröffentlichte dieses Gespräch in der 1934 erschienenen ersten Ausgabe des Journals „Forschungen zur Leeren Hand&#8221;. Darin [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Unbestritten stellte das chinesische Boxen (<em>Ch&#8217;üan-Fa</em>) einen bedeutenden Einflußfaktor in der Entwicklung des Karate dar. Uechi Kanbun (1877-1948) war ein Okinawaner, der 1897 nach China ging und dort das chinesische Boxen kennenlernte.<span id="more-221"></span> Ein Student namens Mabuni interviewte Uechi und veröffentlichte dieses Gespräch in der 1934 erschienenen ersten Ausgabe des Journals „Forschungen zur Leeren Hand&#8221;. Darin legt Uechi als Augenzeuge ein paar Eindrücke bezüglich des chinesischen Boxens um 1900 dar. Hier meine Übersetzung:</p>
<h3 style="text-align: center;">Ein Gespräch zum chinesischen Boxen</h3>
<h3 style="text-align: center;">Student Mabuni</h3>
<p align="justify">Eines Tages gab es etwas zu tun und ich besuchte einen gewissen Schüler aus der Stadt Wakayama, Higashikashi-Chō.</p>
<p align="justify">Das, [was] mir bei dieser Reise als erstes ins Auge fiel, war das folgende Schild:</p>
<blockquote><p class="western" style="text-align: center;">Pangainūn-Ryū<br />
 Karate-Professor<br />
 <em>Kyōshi</em> Uechi Kanbun</p>
</blockquote>
<p align="justify">Richtig, Herr Uechi ging mit zwanzig Jahren nach China herüber! In dem Land studierte er auch dreizehn Jahre [lang] eine rein chinesische Art des Boxens [<em>Ch’üan-Fa</em>] und kam daher als eine Größe zurück. Ich bewunderte, daß doch sogar das Schild chinesischen Stils war.</p>
<p align="justify">Daher schob ich sofort meine wichtige Angelegenheit auf. Ich dachte, daß ich aber als erstes Aussagen über mein geliebtes Boxen hören möchte. Und [so] besuchte ich das <em>Dōjō</em> von Herrn Uechi.</p>
<p align="justify">Da er glücklicherweise zu Hause war, dehnte sich unser Interview nach verschiedenen Gesprächen zufällig zur Sache des chinesischen Boxens aus. Nur zur Information schreibe ich unten einen Abriß nieder.</p>
<p align="justify">„Meister, blüht das Boxen in China nach wie vor immer noch?“</p>
<p align="justify">„Zu der Zeit, als ich da war, war es außergewöhnlich beliebt und daher wird es dort wohl noch immer beliebt sein.“</p>
<p align="justify">„Unterrichten die Chinesen gleich das Boxen, wenn man sie bittet, zu unterrichten?“</p>
<p align="justify">„Sie unterrichten! Wenn es aber nach etwa zwei, drei Tagen kein Gelübde von Meister und Schüler gibt, unterrichteten sie nicht.“</p>
<p align="justify">„Aus welchem Grund ist das so?“</p>
<p align="justify">„Leute, die meinen, daß sie das Boxen üben möchten, gehen zum Haus einer Größe des Boxens und bitten, daß sie ihnen Unterricht gibt. Wenn dieser Meister einwilligt, beraten sich die übenden Leute und gründen ein <em>Dōjō</em>. Dann führt sie dieser Meister.</p>
<p align="justify">Indem sie im <em>Dōjō</em> für die Gottheiten ein Fest feiern, tischen sie verschiedenes Essen auf. Dann vollziehen sie das Gelübde von Meister und Schüler.</p>
<p align="justify">Am Anfang betreibt er die Ausbildung des Geistes und dann lehrt er die <em>Kata</em>. Für diese Zeit schließen sie mit dem Meister einen Vertrag, wie für, sagen wir, ein Jahr, zwei Jahre, drei Jahre, fünf Jahre, und trainieren. Wenn man einen großartigen Meister hat, übt man an die fünfzehn Jahre lang, wenn man aber einen schwachen Meister hat, ein Jahr oder etwa sechs Monate!</p>
<p>Indem sie das <em>Dōjō</em> aufmachen, ist die erste Sorge, daß von Zeit zu Zeit <em>Dōjō</em>-Zerstörer [<em>Dōjō-Yaburi</em>] heißende Personen kommen! <em>Dōjō</em>-Zerstörer heißende Gewaltverbrecher kommen nämlich als zwei, drei Personen und fordern den Meister dieses <em>Dōjō</em> zum Kampf [<em>Shiai</em>] heraus. Falls der Meister den Kampf verliert, bekommen die <em>Dōjō</em>-Zerstörer dessen monatliches Honorar! Wenn er daher kein äußerstes Selbstvertrauen in seine Fähigkeiten hat, macht er kein <em>Dōjō</em> auf, nicht wahr?“</p>
<p align="justify">„Ach, diese Personen sahen ganz wie Barbaren aus!“</p>
<p align="justify">„Das kommt gar nicht in Frage! Auf der anderen Seite ist ein schöne Sache, daß man trainiert und sich selbständig macht. Auch auf der Straße oder auf den vielen Plätzen, [wo] sich Menschen versammeln, trainieren sie bis heute allein und lassen sich, die Kata des Boxens trainierend, sehen. Und wenn dann unter den Passanten auch eine starke Koryphäe ist, [so] heißt es, erhält man von dieser Person zu den Fehlern im einzelnen Anleitungen. Es gibt auch Menschen, die die Methode aufgenommen haben!“</p>
<p align="justify">„Mit der Ausbildung von Japanern veränderten Sie Stellen, nicht wahr?“</p>
<p align="justify">„Jawohl.“</p>
<p align="justify">„Welches von beiden ist bei den Chinesen stärker, Faust oder Fingerspitzen?“</p>
<p align="justify">„Die Japaner sind mit der Faust stark, aber die Chinesen sind mit den Fingerspitzen stark.“</p>
<p align="justify">„Wie ist die Methode zur Stärkung dieser Fingerspitzen?“</p>
<p align="justify">„Am Anfang gibt man Sand in einen Kasten hinein. In diesen macht man mit den Fingerspitzen ein Stichtraining. Wenn diese stärker werden, wechselt man ihn mit großen Bohnen aus. Indem man in diese ein Stichtraining macht, sind die Fingerspitzen zum erstenmal stark. In China heißt die mit der Faust gemachte Form <em>T’ai-Tsu</em> [Größter Ahn; d.h. Boxen des Größten Ahnen]. Die mit den Fingerspitzen gemachte Form heißt <em>Lohan</em> [Arhan; d.h. Arhan-Boxen].“</p>
<p align="justify">„Wie ist die Bedeutung Ihrer <em>Pangainūn</em> heißenden Schulrichtung im Chinesischen?“</p>
<p align="justify">„Diese Form des Boxens hat die Bedeutung ‚außergewöhnlich schnell‘. Jetzt denke ich auch ein wenig [daran], wie es wäre, wenn ich mehr Uechi-Ryū schreiben würde als Strömung, die Pangainūn heißt.</p>
<p class="western" align="justify">Inzwischen habe ich Sie außerordentlich lange aufgehalten. Also, auf Wiedersehen!“</p>
<h3>Zum Begriff „Pangainūn&#8221;</h3>
<p>Interessant ist, daß Uechi bereits Anfang der 1930er Jahre darüber nachdenkt, seine Schulrichtung in „Uechi-Ryū&#8221; umzubenennen. Offiziell fand diese Umbenennung erst im Jahre 1940 statt.</p>
<p>Im Originaltext des obigen Interviews wird der Name „Pangainūn&#8221; nur lautsprachlich wiedergegeben. Uechi erklärt zwar den Sinn des Namens, es bleibt aber unklar, mit welchen Kanji er geschrieben wird. In modernen Texten finden sich folgende Schreibweisen:</p>
<ul>
<li>半硬軌 <em>Pan-Ying Kuei</em> (Gesetz des halb Harten)</li>
<li>半硬軔 <em>Pan Ying-Jên</em> (Halb fest, halb biegsam)</li>
<li>半硬軟 <em>Pan Ying-Juan</em> (Halb hart, halb weich)</li>
</ul>
<p>„Halb hart&#8221; wird im Zusammenhang mit einer Art, die chinesische Kampfkunst zu kategorisieren, gebraucht. Neben der Kategorie „Halb harte Methode&#8221; wird in „Harte Methode&#8221; und „Sanfte Methode&#8221; unterschieden. Demnach würde es sich bei Uechis Art des chinesischen Boxens nicht um eine bestimmte Schule, bzw. ein bestimmtes System handeln.</p>
<p><em>Henning Wittwer</em></p>
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		<title>Das Stammhaus Funakoshi</title>
		<link>http://www.gibukai.de/das-stammhaus-funakoshi/</link>
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		<pubDate>Tue, 09 Sep 2008 14:18:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>henning</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Allgemeines]]></category>

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		<description><![CDATA[An dieser Stelle möchte ich ein paar Informationen aufführen, welche den Familienstammbaum der Funakoshis betreffen. Sie haben zwar nicht viel mit der Kampfkunst Funakoshi Gichins (1868-1957) zu tun, lassen uns aber ein wenig begreifen, woher dieser Karate-Pionier kam.
Eigentlich handelt es sich beim Klan der Funakoshi um einen Zweig des Hauses Yamada aus Tomari, einer alten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>An dieser Stelle möchte ich ein paar Informationen aufführen, welche den Familienstammbaum der Funakoshis betreffen. Sie haben zwar nicht viel mit der Kampfkunst Funakoshi Gichins (1868-1957) zu tun, lassen uns aber ein wenig begreifen, woher dieser Karate-Pionier kam.<span id="more-218"></span></p>
<p>Eigentlich handelt es sich beim Klan der Funakoshi um einen Zweig des Hauses Yamada aus Tomari, einer alten Gemeinde im Königreich Ryūkyū. Ihr Stammvater hörte auf den Namen Kume Gushikawa <em>Chikudōn Peichin</em> Gikan 久米具志川筑登之親雲上義貫 („<em>Chikudōn Peichin</em>“ war sein Titel). Sein chinesischer Name lautete Yung Chao-Ch&#8217;ang 容肇昌. Gikan wurde 1540 geboren und spätestens ab 1575 als Beamter eingesetzt.</p>
<p>In der einheimischen Religion des Inselvolkes spielen Priesterinnen, die <em>Nuru</em>, eine bedeutende Rolle als Mittlerinnen zwischen der irdischen und der geistigen Welt. Laut der Inselfolklore, stammen sie direkt von einer Gottheit ab. Religion und Politik waren in Ryūkyū eng miteinander verknüpft, was den <em>Nuru</em> Macht und Prestige sicherte. Die höchste Priesterin, die häufig von einer direkten Verwandten des Königs gestellt wurde, bezeichnet man in der Mundart Okinawas als „<em>Chifijin</em>“. Unser Gikan hatte nun ab 1590 die Ehre, als Leiter des Gefolges im Palast der <em>Chifijin</em>, dem <em>Chifijin-Udun</em>, zu dienen.</p>
<p>Zehn Jahre später, 1600, verstarb er im Alter von sechzig Jahren.</p>
<p>Ausgehend von Gikan tauchen folgende Namen als Oberhäupter der Stammfamilie auf:</p>
<ol>
<li>Generation:	Gikan	義貫</li>
<li>Generation:	Gijū	義重</li>
<li>Generation:	Giryū	義隆</li>
<li>Generation:	Gishō	義正</li>
<li>Generation:	Gikō	義行</li>
<li>Generation:	Giryō	義亮</li>
<li>Generation:	Gichin	義陳</li>
<li>Generation:	Gishin	義神</li>
<li>Generation:	Gidō	義道</li>
<li>Generation:	Gijo	義恕</li>
<li>Generation:	Gitoku	義篤</li>
<li>Generation:	Gibu	義武</li>
</ol>
<p>Zu Zeiten des Königreiches bestand der Bezirk Tamagusuku (heute Teil der Stadt Nanjō) im südöstlichen Teil der Insel Okinawa aus fünfzehn kleinen Siedlungen. Eine dieser Siedlungen hieß Funakoshi. Giryū, das Familienoberhaupt der dritten Generation, fungierte als Landvogt (<em>Jitō</em>) von Funakoshi. Sein vollständiger Name lautete dann auch Funakoshi <em>Peichin</em> Giryū 冨名腰親雲上義隆.</p>
<p>Später wurde er als Landvogt der Gemeinde Tomari eingesetzt. 1638 arbeitete Giryū als Finanzminister und 1640 als Gemeindevorsteher Miyakos. Er wirkte auch noch als Richter.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm; font-style: normal;" align="justify">Zusammengefaßt hatten vier Mitglieder dieser Familie die Stellung eines Landvogts inne. Sie waren in Tomari als Gemeindevorsteher und dergleichen tätig. Auf Grund dessen zählten sie in der Gemeinde Tomari zur erlesenen Mittelklasse mit Rang und Namen.</p>
<p>Durch die Zunahme der Adeligen und höheren Beamten in Shuri, wurden allerdings ab 1730 Stellungen in Tomari begrenzt. Dies wirkte sich natürlich auch auf den Funakoshi-Klan aus.</p>
<p>Ein paar Generationen später war ein Mann namens Gifuku 義福 als konfuzianischer Gelehrter (<em>Jusha</em>) zwar im Königreich geachtet, gehörte aber zur unteren Klasse mit Rang und Namen. Er mußte sich mit seiner Armut abfinden. Nichtsdestotrotz wurde sein Unterricht geschätzt. So erhielt er beispielsweise zwei oder drei Mal eine Einladung in den Palast der <em>Chifijin</em>, in welchem bereits sein Urahn Gikan Dienst tat.</p>
<p>Nachdem Gifuku altersbedingt sein Rücktrittsgesuch einreichte, bekam er in Anerkennung seiner Arbeit in Tera-Chō, Shuri, Haus und Hof geschenkt. Zudem erhielt er im Zuge der Meiji-Restauration im Jahre 1868 finanzielle Zuwendungen.</p>
<p>Gifukus Sohn und Erbe, Funakoshi Gisū 冨名腰義枢, war Alkoholiker, was wahrscheinlich den Verlust von Haus und Hof herbeiführte. Zumindest äußert Gisūs Sohn, der Karate-Lehrer Funakoshi Gichin, eben diese Vermutung.</p>
<h3>Funakoshis Familienwappen</h3>
<p><a href="http://www.gibukai.de/wordpress/wp-content/uploads/2008/09/funakoshi-wappenkumegushikawagikan4.jpg"  rel="lightbox[roadtrip]"><img class="aligncenter size-medium wp-image-220" title="Das Wappen der Funakoshi" src="http://www.gibukai.de/wordpress/wp-content/uploads/2008/09/funakoshi-wappenkumegushikawagikan4.jpg" alt="" width="150" height="142" /></a></p>
<p>Ein Schüler Funakoshi Gichins erklärte mir, daß der Lehrmeister auf Grund seiner finanziellen Situation keine formelle Garderobe mit dem eigenen Wappen tragen konnte. Stattdessen war er gezwungen, auf geborgte Oberkleider zurückzugreifen. In der Tat können wir auf dem Portrait in seinem 1935 veröffentlichten Buch, „Die Lehrnorm des Karate-Dō“, das Wappen des Hauses Oyadomari ausmachen. Bei den Oyadomari handelt es sich um die Familie seiner Mutter.</p>
<p>Wieder ein anderes Wappen ist auf Funakoshi Gichins Portrait aus dem Jahre 1922 zu sehen, welches in seiner ersten Veröffentlichung, „Ryūkyūs Faustmethode: Die chinesische Hand“, auftaucht. Dasselbe Wappen finden wir auf seinem Portrait, welches 1933 in einem Album anläßlich seines 60. Geburtstages abgedruckt wurde.</p>
<p>Abschließend sollte ich noch erwähnen, daß zwei Schreibweisen für „Funakoshi“ Verwendung finden, nämlich 冨名腰<span style="font-size: x-small;"> </span>und 富名腰. Funakoshi Gichin selbst gebraucht in seinen Veröffentlichungen die Variante 富名腰.</p>
<h3>Bibliographie</h3>
<p>G. Funakoshi: <em>Karate-Dō Ichirō</em> (<em>Karate-Dō – Ein Weg</em>), Tōkyō 1976</p>
<p>G. Kerr: <em>Okinawa – </em><em>The History of an Island People </em>(Revised Edition), Tōkyō 2000</p>
<p>M. Nakamoto: <em>Okinawa Dent</em><em>ō Kobudō. Gairyaku to Shuri-Te-Kei no Karate Kobudō no Tatsujin </em>(<em>Traditionelles Kobudō aus Okinawa – Ein Abriß mit Karate- und Kobudō-Meistern der Linie des Shuri-Te</em>), Uruma 2006</p>
<p>M. Sakihara: <em>A Brief History of Early Okinawa Based on the</em><em> Omoro Sōshi</em>, Tōkyō 1987</p>
<p>T. Uemura (Hrsg.): <em>Funakoshi Gichin Sensei Kanreki Kinen Shibunshū </em>(Sammlung von Gedichten und Aufsätzen zur Erinnerung an die Feier des 60. Geburtstages von Meister Funakoshi Gichin), Tōkyō 1933</p>
<p><em>Henning Wittwer</em></p>
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